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Damavand Besteigungung mit Ski 2018

Kategorie: Blog

Skibesteigung des Damavand 5671 m / Iran

Berge und Kultur im Iran 30.4. – 13.5.2018

Eine Gruppe von 8 Skibergsteigern, davon waren 6 aus der Schweiz, flogen am 30.4.2018 über Istanbul nach Teheran. In der Hauptstadt Irans leben mehr als 11 Mio. Einwohner. Iran ist ein riesiges Land, etwa fünfmal so groß, hat etwa genau so viele Einwohner wie Deutschland. Das große Ziel war die Besteigung des 5671 m hohen Damavands mit Skiern. Er ist der höchste Berg Persiens und zugleich einer der höchsten freistehenden Berge der Erde.

Zu Hause wurde ich oft nach meinem nächsten Reiseziel gefragt. Als ich sagte „ich fliege in den Iran“, wurde das oft mit großer Sorge oder Skepsis gesehen. „Ist das nicht zu gefährlich??“ oder „wie das mit dem IS??, bekam ich oft als Frage gestellt.

Es erforderte viel Überredenskunst um die bei uns oft falschen Ansichten und Vorstellungen über den Iran zu entkräften.

„Willkommen im vielleicht gastfreundlichsten Land der Welt…..“, dieses Zitat ist auf der Titelseite eine Iranreiseführers zu lesen, dies kann, wie schon bei den vorausgegangenen Reise auch unsere Reisegruppe bestätigen. Wir hatten unglaubliche viele nette, herzliche Begegnungen mit iranischen Menschen: mit Alten oder Jungen, mit Frauen oder Männer. Wir wurden oft gefragt, woher kommt ihr: „Aleman“ oder „Germany“ dann war der Bann gebrochen.

Gleich nach unserer Ankunft in Teheran konnten wir uns einige, großartige Sehenswürdigkeiten anschauen: u. a. den „Schahpalast“- Wohn- und Regierungssitz der Shah Regenten ab 1920, den Golestanpalast – Regierungssitz der persischen Monarchen im 18. und. 19. Jh. und natürlich das geschäftige Treiben im Bazar. Danach ging es in die Berge, ins Albrozgebirge, eine gute Autostunde von Teheran entfernt. Ausgangspunkt war die Bergsteigerunterkunft in Pulor. Zuerst standen zwei Eingehtouren in den Dorbaer Bergen (übersetzt die zwei Brüder), Berge zwischen 3700 und 4100 m auf dem Programm. Ein Kar schöner wie das andere. Durch die nordseitige Ausrichtung konnten wir auch um diese Jahreszeit immer noch bei gutem Schnee abfahren. Belohnt wurden wir durch traumhafte Ausblicke auf das weit untenliegende 1100 Seelen zählende Dorf Lasem und dem gigantischen Damavand Klotz. Nach der Akklimatisationsphase konnten wir das Hauptprojekt Damavand starten. Fahrt von unserer Bergsteigerunterkunft zur Gosfandsara Moschee auf 3000 m. Von dort aus ging es schön gemütlich in ca. 4 Std. auf die Bargahe Sevom (Damavand Hütte) auf 4250 m. Unser Gepäck wurde von Mulis getragen. Etwa auf halber Strecke konnten wir unsere Skier anschnallen. Um unsere Akklimatisation zu verbessern stiegen wir am nächsten Tag auf bis ca. 4800 m, um am darauf folgenden Tag einen Gipfelversuch zu starten. In der Nacht blies ein heftiger Wind, ein Gipfelversuch schien in weite Ferne zu rücken. Wir starteten dennoch um 5.00 Uhr auf, der Wind lies zwar etwas nach, war aber ein hartnäckiger Begleiter bis zum Gipfel. Die letzten 300 Hm stiegen wir zu Fuß auf, da hier zu wenig Schnee lag. Immer wieder bliesen uns die unangenehm riechenden Schwefeldämpfe in die Nase, dies war ich aber schon von den vorausgegangenen Damavand Gipfelbesteigungen gewohnt. Fünf Teilnehmer erreichten überglücklich den 5671 m hohen Gipfel, sogar etwas höher wie der Elbrus (höchster Berg Europas). Das Besondere und vielleicht nicht ganz alltägliche war, das 2 Teilnehmer den Damavand mit dem Snowboard befahren konnten. Erst beim Abfahren merkte man spürbar die dünnere Luft. Riesige Hänge bis zur Hütte, skifahrerisch ein Hochgenuss, die Abfahrt von über 5200 m sucht seines gleichen. An der Hütte wurden wir von unseren Begleitern mit warmen Getränken und einer köstlichen Suppe versorgt. Nachdem wir auf der Hütte unseren Energiespeicher aufgefüllt hatten und uns ein weinig regenerieren konnte ging es weiter über steile Rinnen und tollen Firnhänge bis zum Ende des Schnees. Nach einer ¾ Std. Fußmarsch erreichten wir zufrieden und überglücklich, immer unseren Gipfel im Blick die Moschee Gosfandsara. Nun war die Bergschule Watzmann zum 3. Mal erfolgreich am Damavand. Abends wurde noch bei einer selbstgebackenen Torte ausgiebig gefeiert.

Nach dem Motto „Berge und Kultur im Iran“, folgte nun ein äußerst abwechslungsreiches und interessantes Kulturprogramm. Wir fuhren durch das zentrale Hochland nach Kashan, ca. 200 km südlich von Teheran gelegen, eine ca. 250 000 Einwohner zählende Stadt. Das persische Wort für „Fliese“ ist “Kasi“, leitet sich vom Namen der Stadt ab, da Kaschan im Mittelalter eine bedeutende Keramikindustrie besaß. Heute besitzt die Stadt eine bedeutende Textilindustrie, die meisten mechanischen Teppichwebstühle stehen in Kaschan. Nach ihr wurden die Kaschanteppiche (eine klassische Art der Perserteppiche) benannt. Kaschan ist auch ein Zentrum der iranischen Rosenwasserproduktion. In Kashan konnten wir die großartige Baukunst der Perser besichtigen: u. a. das „Haus der Borudscherdis“, eine Großfamilienhaus eines reichen Kaufmanns wurde im 19. Jahrhundert erbaut. Die Anlage verfügt u. a. über riesige Gärten, Bäderanlagen, einen 40 m hohen Windturm, der als Klimaanlage dient und riesige Kuppelelemente mit unterschiedlichen Lichtöffnungen.

Am selben Tag fuhren wir weiter in das ca. 55 km entfernte Abyaneh, ein historisches Dorf in den Hängen des Karkas Gebirge. Das rote Lehmziegeldorf, die Einwohner tragen heute noch die alten, Blumen bemalenen Trachten, zählt zu den Ältesten Dorfern Irans.

Am nächsten Tag fuhren wir nochmals 200 km nach Isfahan, liegt auf ca. 1500 Metern in einer Flussoase im fruchtbaren Tal des Flusses Zavandeh Rud am Rande des Zagros Gebirges und hat ca. 2 Mio. Einwohner. In Isfahan kann man sich mehrer Tage aufhalten und großartige Kulturdenkmäler persischer oder armenischer Baukunst besichtigen.

Der Meidan-e-Emam (oder kurz Imam Platz = Königsplatz) ist über 500 Meter lang und wird von doppelstöckigen Arkaden eingefasst. An jeder Ecke ist er mit einer Prachtmoschee geschmückt und am nördlichen Ende schließt sich ein Bazar an. Der Imam Platz gehört zu den größten Sehenswürdigkeiten des Vorderen Orients, er ist weltweit der größte Platz seiner Art und zählt seit 2012 zum Weltkulturerbe.

Weiter ging unsere Reise nach Shiraz, 520 km von Isfahan entfernt schon fast am persischen Golf. Ca. 50 km vor Shiraz liegt Persepolis, eine der Hauptstädte des antiken Perserreichs wurde 520 v. Ch gegründet. Die Ruinen der Palastanlagen die erst um ca. 1930 ausgegraben wurden sind auch heute noch ein Glanzlicht altpersischer Hochkultur. Kulturgüter über 2500 Jahre alt, von Alexander den Großen 330 v. Ch erobert und niedergebrannt, ist auch heute noch eine Identifikationsort vieler Iraner, gerade weil dies vor der Zeit der Islamisierung zurückreicht. Naqsch-e Rostam ist 6 km km von Persepolis entfernt, hier befinden sich in einer steilen Felswand vier Gräber von achämenidischen Großkönigen, ebenfalls aus dieser Zeit – die sogenannten Felsgräber.

In Shiraz konnten wir unser Berg- und Kulturreise noch an ein paar Besichtigungen je nach Lust und Laune ausklingen lassen. Am Abend ließen wir uns nochmals mit iranischen Spezialitäten kulinarisch verwöhnen bevor es kurz nach Mitternacht mit dem Flugzeug wieder in die Heimat ging.

Damavand mit Ski 2019

 

 

 

 

 

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