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2018 - Nepal - ins wilde Dolpo

Kategorie: Bilder und News

Nepaltrekking – ins wilde Dolpo, vom 6.10. – 29.10.2018
Reisebericht von Hubert Nagl

Es sollte etwas Besonderes werden, meine 10. Trekkingtour in Nepal – sozusagen meine Jubiläumstour. Lange habe ich überlegt, dann kam ich auf die Idee eine Trekkingtour ins Dolpo auszuschreiben. Wir waren zu Sechst, eine kleine Gruppe, mit dabei waren Kunden eigentlich besser gesagt Freunde, die schon mehrmals mit mir in Nepal auf Trekkingreisen waren.

Dolpo ist eine sehr abgeschiedene und hoch gelegene Region im Nordwesten Nepals, die an Tibet grenzt und in der es keine Straße gibt. Das Gebiet liegt im Himalaya, die Siedlungen befinden sich in einer von 2300 m bis über 4300 m. Begrenzt wird das Dolpo in allen vier Himmelsrichtungen von über 6000 Meter hohen Bergketten. Im Süden stößt es an die Dhaulagiri Kette.

Aufgrund der Höhenlage lässt sich die Region in das untere Dolpo (lower Dolpo) im Süden und das nur über 5000er Pässe erreichbare obere Dolpo (upper Dolpo) im Norden unterteilen.

Schon der Auftakt zu diesem einzigartigen Trekking war beispiellos: durch zwei spektakuläre Inlandsflüge tauchen wir ein ins Dolpogebiet. Zuerst der Flug von Kathmandu nach Nepalgunj, nahe an der indischen Grenzen gelegen, eine der heißesten Gegenden Nepals. Am nächsten Morgen flogen wir mit einer kleinen Propellermaschine, vorbei an eisbedeckten 5 und 6000er Gipfeln nach Juphal auf 2470 m. Hier begann auch unser 16 – tägiges Zelttrekking. In Jupahl wartete schon unsere Begleitmannschaft. Der logistische Aufwand war immens: die Ausrüstung, Zelte, Verpflegung usw. wurden in einer 10- stündigen Autofahrt nach Nepalgunj transportiert und dann mit Mulis in 3 Tagen nach Juphal gebracht. Nachdem unsere Mannschaft komplett war (2 Sherpas / Trekkingguides, 4 Küchenboys, 12 Mulis und 2 Muliguides), konnte unser Trekkingabenteuer beginnen. Gleich zu Beginn wurden unsere Trekkingpermits für das untere (lower) Dolpo kontrolliert, dabei konnte ich erfragen, dass ca. 300 Trekkingtouristen in dieser Saison im Dolpo unterwegs waren.

Mehrere Tagen wanderten wir durch das spektakuläre Schluchtenlabyrinth entlang des Tarap Khola (Khola = Fluss) nach Dho Tarap ein kleines Bauerndorf nahe der 4000 m Grenze. Yaks werden benutzt um Felder zu pflügen. Typisch tibetisch geprägte Landschaft bestimmt nun weiterhin das Bild: Manimauern, Gebetsfahnen und viele kleine Tschörten zeugen vom lebendigen Buddhismus. Langsam ändert sich auch die Vegetation: Kiefern- und Birkenwälder reichen rauf bis ca. 3500 m, allmählicher wird es trockener und wüstenhafter. Dolpo ist ein sehr arides Gebiet, das vom Sommermonsun kaum berührt wird.

Man hat sich nun auch an den Trekkingrhythmus gewohnt: der „Morning tea“ wird mit einem freundlichen „Good morning“ ans Zelt gebracht, danach ein erstaunlich gutes Frühstück mit Müsli, Spiegelei und Tschapati (pakistanisches Brot), Mittag gibt es immer ein kleines aber abwechslungsreiches „Lunch“ (z. B. Gemüse, Kartoffeln, Thunfisch, Käse und Salat dazu noch eine Nachspeise). Abends wird dann nochmals groß aufgekocht: Suppe – Hauptspeise (Nudeln, Kartoffeln oder Reise mit Gemüse und Salat) dazu noch die passende Nachspeise – reichhaltig und gesund.

Die erste große Passüberquerung steht bevor: der 5220 m hohe Bhanjang Pass. Oben angekommen ein Glücksgefühl, wehende Gebetsfahnen, großartiger Blick ins innere Dolpo und zurück am Horizont der Dhaulagiri. Weiter wandern wir in einem sehr fruchtbaren Tal bis nach Saldang (3770 m), dem nördlichsten Punkt unseres Trekkings, durch viele kleine Dörfer und können der tibetischen Bevölkerung bei der Feldarbeit zusehen. Wir haben uns immer wieder die Frage gestellt, wie können diese Leute hier leben? Abgeschieden von jeglicher Außenwelt. Diese Menschen hier sind völlig autark: Getreide und Gemüseanbau, etwas Viehwirtschaft. Es gibt hier viele Yaks, Mulis, Pferde und Ziegen. Der Yak dient als Fleisch- und Milchlieferant, zudem wird der Dung als Brennmaterial verwendet und ist zugleich neben dem Muli auch ein wichtiges Transportmittel. Wegen der Nähe zu Tibet wird hier überwiegend Handel mit Tibet auf uralten Karawanenwegen betrieben. Das Leben hier ist einfach und karg.

Auf einem uralten Handelsweg geht es rauf zum zweiten 5000 er Pass (Sel La 5010 m). Hier begegneten uns einige Yak Karawanen, die Holz von Phoksundo See nach Saldang transportierten. Auf dem Pass war es kalt und windig. Trotzdem ein großartiger Ausblick auf die Sechs- und Siebentausender. Dann der Abstieg zum Kristallkloster: die lengendären Shey Gompa (4370 m), das religiöse Zentrum des Dolpo. Unsere Zelte schlugen wir in unmittelbarer Nähe des hochrangigen Wahlfahrtortes auf.

Noch einmal wurde es anstrengend, die Besteigung des höchsten Passes (Kang La 5350 m). Wir schlugen unser Zeltlager auf 4800 m auf, bevor es am nächsten Tag über den Pass ging. Wiederum erwartete uns eine großartige Landschaft mit fantastischem Ausblick. Nach langem Abstieg durch eine beeindruckende Schlucht schlugen wir uns Lager in einem lichten Kiefernwald weit unter der 4000 er Grenze auf. Wir genossen die angenehme Wärme.

Nun kommen wir endgültig in tiefere Regionen, aber trotzdem bleibt es unglaublich spektakulär, nicht umsonst ist dieser Wegabschnitt am Phokusundo See im Herzen des Nationalparks für viele die Königsetappe. Höhepunkt reiht sich an Höhepunkt. Am Westufer des Sees führt uns ein Steig , der von Menschenhand in den Felsen geschlagen wurde, der sogenannte „Devils Trail“ (Teufelspfad) nach Ringmo (3700 m). Hier konnten wir die Nacht zur Abwechselung in einer netten Lodge (einfache Hütte) verbringen. Um die Mittagszeit setzt hier ähnlich wie im Kali Gandaki Tal (Schlucht zwischen Annapurna und Dhaulagiri) ein unangenehmer Wind ein.
Der Phokosundo See, im gleichnamigen Nationalpark liegt auf 3600 m, ist eingerahmt von einer gewaltigen Bergkulisse und hat eine ähnlich Größe wie der Königssee und entstand durch einen Erdrutsch an seiner Südflanke vor ca. 30 – 40 000 Jahren.

In 2 Tagen wanderten wir durch die tief eingeschnittene Phokosundo Schlucht. Vorbei an wasserzerfurchten Felsen, tauchten ein, erstmal seit Wochen in üppige Wälder und wir erreichten alle gesund und wohlbehalten unserem Ausgangspunkt in Juphal. Nach einem ausgiebigen Abschiedsessen, der üblichen Trinkgeld- und Ausrüstungsübergabe verabschiedeten wir uns von unserer tollen Begleitmannschaft und flogen am nächsten Tag zurück über Nepalgunj nach Kathmandu.

Kathmandu die Hauptstadt Nepals ist für viele nicht mehr spannend: Verkehrschaos, Dreck, Lärm, Abgase…, deshalb gestalteten wir unseren Aufenthalt dort so kurz wie möglich. Besichtigten dort noch einige der interessantesten kulturellen Höhepunkte: u. a. Pashupatinath, Swayambunath, Bhaktapur.

Eine erlebnisreiche Trekkingreise voller Höhepunkt – ein echte Jubiläumsreise.

 

Bergschule Watzmann
Hubert Nagl
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